Onkel Max erzählt: NRW-Ticketing Duisburg

Veröffentlicht von Axel am 3.02.2010 Kategorie: Sonstiges

So wie ich das sehe, kann man keine fremde Stadt besuchen, ohne dass einem irgendwann die Füße weh tun.


Es kommt dieser Moment, in dem du denkst, deine Fußsohlen seien mit den Schuhsohlen zu einer homogenen Masse verklebt worden und du bekommst Angst, als nächstes könne der Boden, auf dem du gehst, Bestandteil davon werden. Dieser Moment, in dem du wünschst du hättest gelernt auf den Händen zu laufen, dieser Moment, in dem du dir schwörst alle Hemmungen über Bord zu werfen und endlich einen dieser Segways zu versuchen – dieser Moment birgt für mich das Potential Antwort auf zwei Fragen zu geben. Erstens: Wie gut ist eine Stadt? Und zweitens: Wie dumm ist man selbst?

Es ist ganz einfach. In diesen entscheidensten aller Stadttripsekunden, bleibt man stehen, blickt nach allen Seiten … und es muss, ja es muss einfach eine Parkbank in nächster Nähe sein. Wenn nicht, dann ist etwas verkehrt. Entweder mit der Stadt oder mit dir.


Als ich in Duisburg meine erste Fußkrise hatte, habe ich gerade versucht mitten im Gewerbegebiet den Rückweg zur S-Bahn zu finden. Was ich da getan habe, im Gewerbegebiet? Ich habe mir die größte Zoofachhandlung der Welt angesehen – so viel zu Frage zwei. Aber bevor ich völlig darin aufgehe, auseinander zu setzen, warum niemand 8500 Quadratmeter mit Aquarien und Katzenstreu füllen sollte, erst einmal ein Schritt zurück. Am 5. Juni 2009, in aller Frühe wechselte ich im Laufschritt von Gleis 3 nach Gleis 6 des Aachener Hauptbahnhofes. Eine Stimme aus dem Lautsprecher hatte mich dazu aufgefordert. Na gut, zu dem Zeitpunkt schmerzten meine Füße ja noch nicht. Also kurz vor knapp eingestiegen und dann augenblicklich auf der Reise. Man braucht ja nicht weit fahren, um dabei ein gutes Gefühl zu haben. Die Fahrt verbringe ich damit den schnell ausgedruckten Wiki-Artikel über Duisburg zu studieren, unterstreiche mir schon einmal Sehenswürdigkeiten, auch die Zoohandlung. Nebenbei höre ich dem Gespräch einiger Grundschülerinnen zu, die wohl einen Klassensausflug in den Duisburger Zoo unternehmen. Die eine fragt: „Vor welchen Tieren habt ihr am meisten Angst?“ Eine andere sagt: „Vor Affen!“ – „Vor Affen?“, fragt die eine. „Na ja,“, korrigiert sich die andere, „eigentlich nur vor Schimpansen. Das sind die Affen, die mit ihrer Scheiße werfen.“ Damit war der Zoo von meinem Programm gestrichen.


Der eigentliche Affe, vor dem man sich fürchten musste, war der Fahrkartengorilla. Eines von den Mädchen sollte dem Kontrolleur seine Adresse geben, weil es ihr Ticket vergessen hatte und sah am Boden zerstört aus. Ich hätte ihr glatt mein NRW-Ticket geschenkt, wenn ich gekonnt hätte. … mein NRW-Ticket. Damit findet dieser Text zu seiner Überschrift. Ich bin doch nur nach Duisburg gefahren, weil ich kürzlich in der Mensaschlange bemerkte, dass ich meine goldene Fahrkarte noch nie benutzt habe. Ich nehme sie ja nur als Aachenkarte in Anspruch. Außerhalb der Stadtgrenze haben wir noch nicht ein Mal zusammen das Abnicken des Schaffners erlebt, das dir sagt: Du bist dabei, du hast einen gültigen Fahrschein… Das wollte ich ändern. Und mehr noch, ich wollte auch noch Leuten erzählen, dass ich das ändere. Deshalb lest ihr gerade diese Seiten. Aber um nun keine falschen Vorstellungen mehr zu wecken: NRW-Ticketing ist eine Kolumne über Ausflüge mit dem NRW-Ticket. Alle ein bis zwei Monate möchte ich in Zukunft einen Ort in Nordrheinwestfalen besuchen und davon berichten. Heute der erste Teil: Duisburg.

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