NRW Ticketing Bergkamen

Veröffentlicht von Axel am 30.05.2010

Als ich und meine Vorstellungen von der Stadt Bergkamen nach Bergkamen kamen … hatte es sich mit ihnen bald erledigt. Das fing bei dem Wörtchen Stadt an und hörte mit der Floskel ‘dort ankommen’ wieder auf…


Ich starte früh. Schon um halb acht sitze ich im Regionalexpress Richtung Dortmund und warte, dass er sich von der Stelle rührt. Das kenne ich von Aachen – viele Züge enden hier und genauso viele fahren hier erst los. Sie stehen morgens eine ganze Weile auf dem Gleis, bevor sie sich einen Ruck geben, bevor irgendein Reisender, der nicht damit gerechnet hat, sich an einem Fremden festhalten muss, um nicht umzufallen, bevor die letzte Türe knallt, in die der Schaffner mit seiner Kelle verschwindet und man sich für einen Moment lang fragt, ob sich die Lok auf dem Nebengleis nur rückwärts bewegt oder man selber sich endlich vorwärts. Ich weiß genau wie alles abläuft, bin in meinem Leben mehr Zug als Auto gefahren. Und deshalb koste ich die Sekunden des Stillstands voll aus: Den Schatten der großen Bahnhofshalle, unter deren Ostbogen sich erste Sonnenstrahlen durchducken. Die unverständlichen Lautsprecherdurchsagen, die mir mit ihrem Röhren den Bauch massieren. Es sind die letzten Sekunden, die man noch zu Hause ist, in gewohnter Umgebung. Und mit einem Pfiff setzt sich die Welt in Bewegung.


Die Sitzgruppen, Klappmülleimer, Gepäckablagen und Kopfstützen der zweiten Klasse werden von hellem Tageslicht beleuchtet. Das bringt ihre vielen Macken, ihre undefinierbaren Flecken und Gerüche zum Vorschein. Aber das gute Wetter hebt die Laune der Fahrgäste so sehr, dass sie nicht darauf achten. Es herrscht ein abteilatmosphärisches Patt. Ich richte mich an meinem Fensterplatz ein, mustere den Mann, der mir schräg gegenüber sitzt. Er ist ziemlich groß, noch nicht sehr alt, aber schon mit einer kahlen Stelle mitten auf dem Kopf. Ich muss an eine Geschichte denken, die mir mein Onkel erzählt hat. Es ging dabei um den Schopf seines Opas, den er selbst nicht kennen gelernt hat – den Opa, nicht den Schopf. Laut seiner Oma soll dieser bis ins höchste Alter dichtestes Haupthaar genossen haben und er, mein Onkel, brauche sich auf Grund der guten Gene keine Sorgen zu machen bald kahlköpfig dazustehen. Diese Gewissheit behielt mein Onkel für viele Jahre und konnte mit dem Gefühl vor sich hinleben zumindest ein Problem weniger als andere zu haben. Dann aber tauchte ein altes Foto auf. Darauf zu sehen war eine winzig kleine Oma mit ihrem riesengroßen Mann – und weil das Foto leicht von oben herab fotografiert war, konnte man sehen, was der glücklichen Frau ihren gesamten Lebensabend entgangen war… Der Mann gegenüber setzt seine Brille auf. Aus einer schlaffen grünen Reisetasche, die nicht viel mehr enthalten kann als eine Zahnbürste und etwas Unterwäsche, zieht er ein Buch: „Richtig reisen: Argentinien, Chile, Paraguay, Uruguay“ steht darauf. Warum er wohl dahin will?


Jetzt, nachdem ich wieder zu Hause bin, habe ich einmal nachgeschlagen: In Chile sind die Frauen im Durchschnitt immerhin 10 cm kleiner als in Deutschland. Zugegeben, in Indonesien wäre er noch weitaus besser dran, aber vielleicht bekommt ihm dort das Klima nicht. Auf jeden Fall fernhalten sollte er sich aber von den Dinarischen Alpen, dort leben die durchschnittlich größten Menschen der Welt – wer hätte es gedacht? Draußen zieht die Landschaft an mir vorbei. Einige Osterfeuer sind schon aufgebaut. Der Zug hält an, eine Gruppe Rentner steigt zu, er fährt weiter, hält dann wieder an. Wahrscheinlich ein Stopp, um einen Kollegen vorbeizulassen, der etwas schneller unterwegs ist – einer mit dem man als NRWTicketer gar nicht fahren darf. Eine kurze Durchsage der Lokführerin ertönt. „Moment…“ lautet sie schlicht. Dann ein paar Minuten später: „Sehr geehrte Fahrgäste, bitte beachten sie folgende Informationen – die ham uns den Strom abgestellt.“ Das bringt einen der Rentner sichtlich in Rage. Der graue Herr sieht mit seinen mit Pomade zurückgestrichenen Strähnen und der dicken Brille aus wie ein älterer Karl Theodor von und zu Guttenberg. „Hört euch das an!“, schimpft er, „Kann keine ernsthafte Durchsage machen die Frau – die werden heute einfach nicht mehr richtig ausgebildet. Ich sage es euch.“ Seine Zuhörer quittieren diesen Vorwurf mit gefälligem Nicken. „Ja, ja, ja, ja“, machen sie, wie Tischtennisbälle, die mit immer kleineren Sprüngen auf den Boden aufprallen und schließlich liegen bleiben. „Als ich hier noch im Weichenstellerhäuschen war, waren das noch andere Zeiten“, stößt der Alte das klackende Ja-Gemurmel noch einmal an, aber da rollt der Zug schon wieder. Der Mann mit dem Reiseführer steigt in Mönchengladbach aus, wo die Frauen im Schnitt einen Meter siebenundsechzig messen und der kleine Flughafen nur Rundflüge über dem Stadtgebiet anbietet. Vielleicht hat ihn im letzten Moment der Mut verlassen noch bis Düsseldorf weiter zu fahren und sich von dort in die kleine Ferne abzusetzen. Vielleicht hat er aber auch durch die Muse des Zugfahrens neuen Mut gefasst, beschlossen, dass er von nun an offensiv mit seinem schmalen Haarkranz umgehen wird. Vielleicht steigt er ja gerade aus, um sich vom erstbesten Tätowierer einen Slogan auf seine Pläte schreiben zu lassen. „Wenn du das lesen kannst – solltest du überlegen Basketball zu spielen“ oder etwas in der Art. Vielleicht kauft er sich aber auch einfach einen Hut und träumt weiter von Chile.


Onkel Max erzählt: NRW-Ticketing Solingen

Veröffentlicht von Axel am 5.02.2010

Man lernt im Laufe seines Lebens, dass es Dinge gibt, für die man sich rechtfertigen muss: Wenn man zum ersten Date zu spät und in Begleitung erscheint, muss man sich rechtfertigen; wenn man Speedmetal, Trashmetal und Deathmetal nicht auseinander halten kann, muss man sich rechtfertigen; …


…Wenn man Pommes am liebsten ohne Sauce, Brot ohne Butter und Cornflakes ohne Milch isst, muss man sich rechtfertigen; wenn man an Karneval zu Hause bleibt, im Hochsommer in die Eisporthalle geht, am Wahltag lieber ein Lokal im herkömmlichen Sinne besucht – oder wenn sich mitten in einer Partie Pfannkuchenfrisbee herausstellt, dass ein Zuschauer sich bei der Armenspeisung engagiert, dann muss man sich rechtfertigen. Seit neustem weiß ich, dass auch ein Ausflug nach Solingen etwas ist, für das man sich rechtfertigen muss.


Erzählt man seinen Freunden, am Wochenende fahre ich mal nach Köln, nach Dortmund, Essen oder Bonn wird dieser Plan mit zustimmendem Nicken abgetan und man redet weiter worüber man eben redet. So genau könnte wahrscheinlich auch niemand sagen, was so gut daran ist, da mal hinzufahren. Aber es besteht anscheinend eine geheime Übereinkunft, dass es sich für einige Städte lohnt, die eigene zu vernachlässigen. Mit Solingen ist es anders. „Solingen, wieso denn Solingen? Wie kommste denn darauf?“, werde ich gefragt und das da vom darauf wird zusätzlich gedehnt, während mein Gegenüber die kleine Stadt auf seiner imaginären Landkarte sucht. „Das ist bei Wuppertal“, antworte ich vorsorglich, „Ich schreib doch diese Kolumne über das NRW-Ticket, dachte wär doch mal interessant – Solingen – war man ja eher noch nicht, oder?“ Aber mehr als höfliche Skepsis kann ich so nicht gewinnen: „Würd man auch eher mal nicht hinfahren, oder?“


Über Solingen weiß ich nicht viel. Die Messer kommen daher, soviel ist klar. Zusammen mit meiner Freundin sitze ich im Regionalexpress, der sich unter beständiger Bewölkung ins bergische Land windet. Ich habe mir ein Buch mit auf die Reise genommen, das ein Solinger geschrieben hat. „Lenin kam nur bis Lüdenscheid“ von dem derzeit gefragten Richard David Precht. Es handelt von der Kindheit des Autors, der in einer westlinken Familie inmitten von Provinzlern aufwächst. In Lüdenscheid gab es eine rote Jugendgruppe, in Solingen nicht. Er schreibt: „Der Solinger an sich [...] gilt zu Recht als nicht besonders kontaktfreudig. Das Wetter ist überdurchschnittlich feucht, die sanften Hügel [...] lassen die Wolken über Solingen abregnen, und wo man hinspuckt wächst Moos“. Das hebt nicht gerade meine Erwartungen. Der Gedanke kommt mir, dass Lüdenscheid vielleicht ein besseres Reiseziel sein könnte. Immerhin soll dort eine lebensgroße Plastik der Loriotfigur Herr Müller-Lüdenscheid zu besichtigen sein.


Als es soweit ist steigen wir doch in Solingen aus, nehmen die Herausforderung an, hier etwas zu erleben. Anders als in größeren Städten spült uns keine Woge von Menschen aus dem Hauptbahnhof. Es ist mehr ein Schwapper – wie mein Vater früher im Sommerurlaub die harmlosen Wellen genannt hat, die sich nicht brechen. Als einzige folgen wir den Schildern in Richtung Touristeninformation. An Herbstdonnerstagen rennen die Leute Solingen nicht gerade die Bude ein. Unter einem großen „I“ duckt sich ein schmuckloses gefliestes Gebäude, das hoffentlich der Schlüssel zu diesem Tag sein wird. Als wir es betreten stehen wir gleich in einem Flur. An die Wände sind Sitzgelegenheiten gerückt, die gegenüberliegenden Türen kommunizieren über rote und grüne Lichter mit einigen wartenden Solingern.

Onkel Max erzählt: NRW-Ticketing Duisburg

Veröffentlicht von Axel am 3.02.2010

So wie ich das sehe, kann man keine fremde Stadt besuchen, ohne dass einem irgendwann die Füße weh tun.


Es kommt dieser Moment, in dem du denkst, deine Fußsohlen seien mit den Schuhsohlen zu einer homogenen Masse verklebt worden und du bekommst Angst, als nächstes könne der Boden, auf dem du gehst, Bestandteil davon werden. Dieser Moment, in dem du wünschst du hättest gelernt auf den Händen zu laufen, dieser Moment, in dem du dir schwörst alle Hemmungen über Bord zu werfen und endlich einen dieser Segways zu versuchen – dieser Moment birgt für mich das Potential Antwort auf zwei Fragen zu geben. Erstens: Wie gut ist eine Stadt? Und zweitens: Wie dumm ist man selbst?

Es ist ganz einfach. In diesen entscheidensten aller Stadttripsekunden, bleibt man stehen, blickt nach allen Seiten … und es muss, ja es muss einfach eine Parkbank in nächster Nähe sein. Wenn nicht, dann ist etwas verkehrt. Entweder mit der Stadt oder mit dir.


Als ich in Duisburg meine erste Fußkrise hatte, habe ich gerade versucht mitten im Gewerbegebiet den Rückweg zur S-Bahn zu finden. Was ich da getan habe, im Gewerbegebiet? Ich habe mir die größte Zoofachhandlung der Welt angesehen – so viel zu Frage zwei. Aber bevor ich völlig darin aufgehe, auseinander zu setzen, warum niemand 8500 Quadratmeter mit Aquarien und Katzenstreu füllen sollte, erst einmal ein Schritt zurück. Am 5. Juni 2009, in aller Frühe wechselte ich im Laufschritt von Gleis 3 nach Gleis 6 des Aachener Hauptbahnhofes. Eine Stimme aus dem Lautsprecher hatte mich dazu aufgefordert. Na gut, zu dem Zeitpunkt schmerzten meine Füße ja noch nicht. Also kurz vor knapp eingestiegen und dann augenblicklich auf der Reise. Man braucht ja nicht weit fahren, um dabei ein gutes Gefühl zu haben. Die Fahrt verbringe ich damit den schnell ausgedruckten Wiki-Artikel über Duisburg zu studieren, unterstreiche mir schon einmal Sehenswürdigkeiten, auch die Zoohandlung. Nebenbei höre ich dem Gespräch einiger Grundschülerinnen zu, die wohl einen Klassensausflug in den Duisburger Zoo unternehmen. Die eine fragt: „Vor welchen Tieren habt ihr am meisten Angst?“ Eine andere sagt: „Vor Affen!“ – „Vor Affen?“, fragt die eine. „Na ja,“, korrigiert sich die andere, „eigentlich nur vor Schimpansen. Das sind die Affen, die mit ihrer Scheiße werfen.“ Damit war der Zoo von meinem Programm gestrichen.


Der eigentliche Affe, vor dem man sich fürchten musste, war der Fahrkartengorilla. Eines von den Mädchen sollte dem Kontrolleur seine Adresse geben, weil es ihr Ticket vergessen hatte und sah am Boden zerstört aus. Ich hätte ihr glatt mein NRW-Ticket geschenkt, wenn ich gekonnt hätte. … mein NRW-Ticket. Damit findet dieser Text zu seiner Überschrift. Ich bin doch nur nach Duisburg gefahren, weil ich kürzlich in der Mensaschlange bemerkte, dass ich meine goldene Fahrkarte noch nie benutzt habe. Ich nehme sie ja nur als Aachenkarte in Anspruch. Außerhalb der Stadtgrenze haben wir noch nicht ein Mal zusammen das Abnicken des Schaffners erlebt, das dir sagt: Du bist dabei, du hast einen gültigen Fahrschein… Das wollte ich ändern. Und mehr noch, ich wollte auch noch Leuten erzählen, dass ich das ändere. Deshalb lest ihr gerade diese Seiten. Aber um nun keine falschen Vorstellungen mehr zu wecken: NRW-Ticketing ist eine Kolumne über Ausflüge mit dem NRW-Ticket. Alle ein bis zwei Monate möchte ich in Zukunft einen Ort in Nordrheinwestfalen besuchen und davon berichten. Heute der erste Teil: Duisburg.

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Das Rettungsdienstpraktikum für Medizinstudierende (RDP) ermöglicht StudentInnen ohne Rettungsdiensterfahrung ab dem 5. Fachsemester ein Praktikum im Rettungsdienst in der StädteRegion Aachen.
Das RDP ist an die Quali-Profile der Klinik für Anästhesie angegliedert, bei erfolgreichem Abschluss werden 4,5 Creditpoints vergeben. Mehr Informationen gibt es auf dieser Seite.
Den Zeitplan für das Wintersemester 2010/2011 findest du hier.
Die Bewerbung für das Rettungsdienstpraktikum für Medizinstudierende ist ausschließlich online auf der Webseite der Fachschaft Medizin möglich. Zur Bewerbung nutze bitte dieses Formular.

Beachte bitte auch die Teilnahmebedingungen des Praktikums!